Derzeit wird mir in meinem täglichen, gesellschaftlichen Umfeld immer deutlicher vor Augen geführt, wie unbewusst wir noch mit unserer Sprache umgehen. Wir gebrauchen Wörter, deren Wirkung oder Etymologie eine andere ist, als das, was wir eigentlich wirklich meinen. Es kommt dadurch zwar meist nicht zu kommunikativen Mißverständnissen, da weitestgehend alle Menschen diese unbewusste Art der Sprache verwenden – wir haben uns daran gewöhnt – dennoch hat es eine bestimmte Wirkung auf uns.
Ein paar berühmte Beispiele will ich mit diesem Artikel hervorheben und darauf aufmerksam machen.
Angefangen mit dem wohl deutlichsten Ausdruck: das Wort ‚kriegen’, im Sinne von ‚bekommen’ oder ‚erhalten’. Ich höre die Leute ständig Sätze sagen wie: ‚das kriegen wir hin’ oder ‚ich kriege noch etwas…’. In diesem Verb ist ganz deutlich das Wort ‚Krieg’ enthalten. Somit sagen wir uns, unserem Unterbewusstsein und unserem Umfeld, dass man erst kämpfen muss, um etwas zu bekommen.
Es heißt, dass es erst Frieden auf diesem Planeten geben kann, wenn die Menschen selbst in Frieden sind. Doch wie kann es zu Frieden kommen, wenn wir ständig von ‚krieg-en’ sprechen?
Das Ego in uns will jetzt sagen: ‚das ist doch normal, man bekämpft sich ja nicht wirklich, wenn man das so sagt.’ Dem widerspricht die Tatsache, dass das, was wir sagen, unseren Charakter formt und somit unser Leben entscheidend beeinflusst. Außerdem genügt ein kurzer Blick auf diese oft so lieb- und respektlose Welt und man erkennt den Status quo.
Und zudem hat es einen ganz anderen, freundlicheren Klang, wenn man ‚bekommen’ oder ‚erhalten’ sagt, anstelle von ‚kriegen’.
Ein weiteres Beispiel ist das Wort ‚privat’. Das hört sich zunächst mal nicht so negativ an. Schaut man sich aber die Etymologie dieses Wortes an, so sieht das schon anders aus. Es stammt vom lateinischen ‚privare’ und bedeutet ‚der Gesellschaft vorenthalten’ oder ‚rauben’. Eine Privatisierung von etwas entspricht daher einem Raub an der Gesellschaft, an der Gesamtheit aller Menschen. Dazu fällt mir eine Weisheit der Indianer ein, die kein persönliches Eigentum kennen – welches auch vom trennenden Ego-Bewusstsein abstammt. Sie meinen, die Erde und das Land gehören niemandem, sondern seien lediglich von unseren Kindern ausgeliehen. Dementsprechend erhaltend sollte damit auch umgegangen werden.
Auch interessant sind die folgenden Ausdrücke:
- der Geld-Schein: Da wird deutlich gesagt, dass das nur noch der Schein von Geld ist.
- bei der Wahl seine Stimme abgeben. Dann hat man nichts mehr zu sagen.
- den Vertrag benötigt man noch, um sich zu vertragen.
- den Personalausweis erhält das Personal der BRD GmbH.
- die Haftung: etwas haftet / lastet an einem (Eigentum verpflichtet und belastet).
Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt an sprachlichen Besonderheiten. Hier ist jeder selbst eingeladen zu entdecken, was im eigenen Alltag so alles gesagt wird.
Wenn wir nur mehr auf das achten würden, was wir meist so achtlos aussprechen, könnten wir viel besser erkennen, was in uns und um uns herum tatsächlich für Dinge ablaufen.
Das können wir sicher hin-bekommen.


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