Wie komme ich dazu, den Begriff der Kleinfamilie als Paradigma zu bezeichnen? Zu sagen, die Familie als das Fundament und die Stütze der Gesellschaft sei ein Paradigma, scheint zunächst doch sehr weit hergeholt. Wie weit unsere fortgeschrittene Gesellschaft und ihre Strukturen unter diesem Paradigma zu leiden haben wird, das wird erst klarer wenn man einige Besonderheiten genauer durchleuchtet. Besonders interessant wird es, diese Familienstruktur im Verlaufe mehrere Generationen nach dem Ende des 2. Weltkrieges zu betrachten.
Der Klassiker: Eltern und 2 Kinder, die Großeltern leben anderswo, ein Elternteil verdient das Geld, der andere hütet Haus und Kinder. Bausparvertrag, Rentenversicherung, Mietwohnung oder Haus, ein Auto oder zwei, Urlaubsreisen ... festgefügte Strukturen ...
Dieser Klassiker ist gebaut auf der Hoffnung der Gesellschaft, die Wachstums-Wirtschaft funktioniere über viele Generationen, die steigenden Ansprüche stünden nicht in Korrespondenz mit den Mechanismen der Weltwirtschaft und der Global Player.
Nun erkennen wir seit vielleicht einem Jahrzehnt immer klarer, dass diese Vorstellung auf Sand gebaut ist. Menschen werden älter und einsamer, mit dem Alter auch hilfloser, der Familienklassiker wird seltener, Singles und Alleinerziehende werden in der Zahl immer bedeutender – der Verbrauch an Raum, Energie und Rohstoffen steigt mit der Versingelung dramatisch an. Die Bevölkerungspyramide erzählt nichts gutes und schon in der kommenden Generation soll eine Person in Arbeit und Lohn zwei Rentner finanzieren und den überschuldeten Staat noch dazu... das geht nur durch dramatischen Verzicht des Gewohnten und durch die Rückentwicklung der Wohlstandsformel.
Das Ergebnis kann man sich leicht vorstellen – die nächste Generation wird aus persönlicher Not zum Leistungsverweigerer – die Sozialsysteme brechen und dann ... ? Dieser Klassiker der Familienstruktur war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es war der falsche Ansatz, in seiner Grundstruktur gegen die Natur des Menschen und gegen den Erhalt der Ressourcen. Man hat vergessen, den älter werdenden Menschen in der Familienstruktur zu belassen. Die Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus waren nie bedarfsgerecht und die Renditeoptimierung des umbauten Raums hat den Menschen und seine familiäre Sozialstruktur nicht berücksichtigt.
Ein großer Teil der entstandenen Nöte und des Leides in unserer Gesellschaft hat letztendlich seine Ursache in genau diesem Paradigma. Das mag revolutionär klingen, ist aber einfache und glasklare Realität – eine Realität, die kein Politiker und kein Profiteur des Systems gerne hören möchte. Aller Wohlstand dieser Gesellschaft entstand durch einen Umverteilungsprozess, anfänglich unbemerkt und überdeckt von der Euphorie des Wirtschaftswunders und des Aufbruchs, hat sich aber dann schleichend aufgebaut und in den vergangenen zwei Jahrzehnten so verschärft, dass die Gesellschaft in zwei Teile zu zerbrechen droht, die Gewinner und die Verlierer. Die Grenze verläuft im so genannten Mittelstand. Ob die Gesellschaft diesem Prozess auf Dauer standhalten kann, das bezweifle ich.
Nun ist es Gott sei Dank so, dass jede Entwicklung auch ihre Gegenbewegung heraufbeschwört und immer wieder einen Ausgleich durch Veränderung im Sinne der Anpassung herbeiführt.
Die Antworten kommen von den Menschen im Land selbst.
Dieter Schall
Stanmer-akademie

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films THRIVE, der die wirklichen
Ursachen aufzeigt, warum unsere
Welt nicht gedeihen kann.






